Tai Chi Chuan Verein e.V.

Unsere Kurse werden leider nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst. Die vor 3 oder 4 Jahren von den Krankenkassen gegründete Zertifizierungsstelle beurteilt die Qualifizierung unseres Trainers Friedel Kremer anders als es die einzelnen Krankenkassen jahrelang vorher getan hatten (vor Herrn Seehofers Reform wurden die Kurse – teilweise 100%tig – über Jahre hin bezuschusst). Als die Krankenkassen die Präventionsförderung wieder aufnahmen, sollte die Qualität normiert überprüft werden, damit der Nutzen auch garantiert ist – was ein verständliches Argument ist. Allerdings ist das in solch einem Feld wie Tai Chi Chuan und Qi Gong nicht einfach, da die Traditionen und Ausbildungen so vielfältig sind, dass es schwer ist, eine Norm zu finden.

Der „Leitfaden Prävention“ von 2014 ordnet Tai Chi und Qi Gong nicht unter Verbesseung der Bewegungsgewohnheiten oder „Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme“ ein – ist Tai Chi Chuan nicht bekannt dafür? – sondern unter „Stressbewältigung“ – was definitiv auch eine Auswirkung guten Tai Chi’s und Qi Gong’s ist. Dazu sagt der Leitfaden:

Zur Durchführung von multimodalen Stressbewältigungstrainings kommen Fachkräfte aus dem Bereich der psychosozialen Gesundheit in Betracht, die über einen staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss verfügen, insbesondere als
• Psychologen (Abschlüsse: Diplom, Magister, Master, Bachelor)
• Pädagogen (Abschlüsse: Diplom, Magister, Master, Bachelor, Lehrer mit 1. u. 2. Staatsexamen)
• Sozialpädagogen/Sozialarbeiter (Abschlüsse: Diplom, Magister, Master, Bachelor)
• Sozialwissenschaftler (Abschlüsse: Diplom, Magister, Master, Bachelor)
• Gesundheitswissenschaftler (Abschlüsse: Diplom, Magister, Master, Bachelor)
• Ärzte
mit Zusatzqualifikation im Bereich Stressmanagement
(Einweisung in das durchzuführende Stressbewältigungsprogramm).

Keine dieser Primärausbildungen dürfte bei den Leuten gegeben sein, die die Quelle dieser Übungssysteme sind. Nach Umfragen beziehen sich etwa 70% der Tai Chi Chuan-Praktizierenden auf den Stil der Familie Yang. Eine der allseitig anerkannten Größen dieser Kunst – Yang Chen Fu (gest. 1936) konnte kaum schreiben und war gewiss kein Akademiker…

Unser Trainer Friedel Kremer hat 13 Semester Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert. Die Zeit war so lang, da er eine Zeitlang in der Fabrik gearbeitet hat, um am eigenen Leib die gesellschaftliche Wirklichkeit zu erleben und Verbesserungen im gesellschaftlichen Rahmen zu erreichen. Da er im Laufe der Zeit das Gefühl hatte, dass es schwer ist, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu ändern, da sie auf Entscheidungen der Individuen beruhen, entschied er sich gegen einen Beruf, der aus seinem Studium folgen würde. Eine Meniskusverletzung beim Karatetraining und die Diagnose Arthrose im Knie brachte eine Wendung in der beruflichen Orientierung. Dass die Ärzte ihn im Alter im Rollstuhl sahen und ihm Beschränkung auf sanfte Bewegung auf ebenen Wegen vorschlugen, gefiel ihm gar nicht. Er nahm deshalb die Suche nach anderen Möglichkeiten auf.

Die Lösung fand er in Meditation zur Entspannung und Bewusstwerdung sowie geschickterer Bewegungsweise. 1978 waren die Knieprobleme durch die gelernten Methoden beseitigt und die Heilpraktiker-Prüfung bestanden, damit so viel Nützliches auch an andere weitergegeben werden konnte. Meditation lernte er bei hoch eingeschätzten Lehrern des Tibetischen Buddhismus und wurde von ihnen zu Beginn der 8oer Jahre zum Unterrichten beauftragt, was er 20 Jahre lang im In- und Ausland tat. Gleichzeitig lernte er Tai Chi Chuan und Qi Gong kennen, was er ebenfalls seit dieser Zeit mit einem Lehrauftrag der „International Tai Chi Chuan Association“ von King Hung Chu unterrichtete. In den 70er Jahren war es noch die Peking Form nach Gia Fu Feng und das Lee-Tai Chi und Kaimen (chin.Yoga) bei Rupert Shonaike, danach 9 Jahre Fortbildung und Unterricht im Yang-Stil nach King Hung Chu und Frieder Anders. Seit 1997 vertiefte er sein Wissen durch Unterricht bei Stephan Hagen, Hamburg, und seinem Lehrer Gin Soon Chu, Boston, sowie seit etwa 2011 bei Jim Uglow, dem Schüler von Yang Ma Lee, der das Wissen der Familie selbst weitergibt, was wesentlich umfangreicher und tiefgründiger ist als alles, was in den Jahren vorher über Yang-Stil Tai Chi Chuan zu lernen war. Hinzu kamen in den frühen Jahren Ausbildung und Erfahrung in Alexander-Technik, Shiatzu und Akupunktur, Sensory Awareness u.v.a., so dass man von einer umfangreichen Erfahrung in Bezug auf Unterrichtung von Bewegung und Bewusstsein ausgehen kann.

Das Problem liegt also hauptsächlich bei der Primärausbildung, und der Heilpraktiker-Status Friedel Kremers wird von der neuen Zertifizierungsstelle nicht mehr anerkannt. Inzwischen haben aber einige auch mit der Primärausbildung in einem anderen Beruf – wie Friseuse, wenn wir richtig informiert sind -, nachdem sie lange Jahre anerkannt unterrichtet hatten, die Zertifizierung durchsetzen können. Wäre Herr Kremer Krankenpfleger oder Schreiner, könnte er anerkannt werden. Verstehen muss man ja wohl nicht, weshalb jemand, der auf Kranke losgelassen wird, eine geringere Qualifikation haben soll als diese Beispiele. Der Fall wird wohl gerichtlich geprüft werden müssen, denn dass unsere Schüler schlechter gestellt werden sollen als die von Lehrern, die einen amtlichen Ausbildungsberuf vorweisen können, der nichts über ihre Qualitäten im Tai Chi- und Qi Gong-Unterricht aussagt. Herr Kremer hat seine ganze Kraft und Erfahrung in das Studium und den Unterricht von Entspannung und Bewegung gesteckt, und es ist nicht einzusehen, wieso das plötzlich wegen Formalitäten nicht mehr anerkannt werden soll. Wie immer ist eine individuelle Überprüfung wünschenswert, und Herr Kremer ist jederzeit bereit, sich ihr zustellen. Lehrer, Ärzte und Physiotherapeuten, die er unterrichtet hat, können ebenfalls seine Qualifikation bestätigen.


Artikel vom 11. Oktober 2016


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