Tai Chi Chuan Verein e.V.

Boston – Die langsamen Bewegungen des Tai Chi, die weniger eine innere Kampfkunst sind als eine Gymnastik mit meditativen Elementen, haben in einer randomisierten klinischen Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 360: k851) die Symptome eines Fibromyalgiesyndroms teilweise besser gelindert als ein Ausdauertraining, das zu den empfohlenen Behandlungen bei der häufigen Erkrankung zählt.

Das Fibromyalgiesyndrom ist eine komplexe Störung, die durch chronische Muskel-Skelett-Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und starke körperliche und seelische Störungen gekennzeichnet ist. Die Ursachen sind nicht bekannt, eine einfache Therapie gibt es nicht. Auch die Schmerz-, Schlaf- und Entspannungsmittel oder auch Antidepressiva, die vielen Patientinnen (zu mehr als 80 % sind es Frauen) verschrieben werden, lindern die Symptome in der Regel nicht.

Zu den empfohlenen Therapien gehört eine Physiotherapie, bei der oft ein leichtes Ausdauertraining im Vordergrund steht. Die Verbesserung der kardiovaskulären Fitness wird als Weg gesehen, die Patienten aus einer körperlichen (und damit verbunden häufig auf auch einer psychosozialen) Passivität zu befreien. Tai Chi hat einen anderen Ansatz. Das Ziel der langsamen Bewegungen sind eine körperliche und seelische Entspannung. Ein Anstieg von Blutdruck und Puls sind nicht vorgesehen.

Das Konzept hatte sich bereits in 2 früheren randomisierten Studien als effektiv erwiesen (NEJM 2010; 363: 743–54; Clinical Rheumatology 2012; 31: 1205–14). Tai Chi war dort jedoch nur mit ineffektiven Kontrollen (Gesundheitserziehung oder Streckübungen) verglichen worden. Die aktuelle Studie war der erste direkte Vergleich mit einer Standardtherapie. Außerdem wurde erstmals verschiedene Dosierungen der Therapie untersucht.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/92043/Tai-Chi-in-Studie-bei-Fibromyalgiesyndrom-effektiver-als-Physiotherapie

Boston – Ein intensiver 12-wöchiger Tai Chi-Kurs hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2010; 363: 743-754) bei Patienten mit Fibromyalgie den Aktionsradius erweitert und die Lebensqualität verbessert.

Das diagnostisch schwer fassbare Fibromyalgiesyndrom entzieht sich bisher weitgehend medizinischen Behandlungen. Ein Beispiel aus dem Editorial ist die Therapie mit Duloxetin, das in einer randomisierten Studie bei etwa der Hälfte der Patienten die Schmerzen nur leicht linderte.

Den gleichen Effekt erzielte bei einem Drittel der Patienten ein Placebo, ohne die Patienten mit den Nebenwirkung des Medikaments zu belasten. Es wundert deshalb nicht, dass viele Patienten sich alternativen Therapien zuwenden, zu denen auch Tai Chi (Tàijíquán) gehört.

Die im alten China entwickelte innere Kampfkunst “Schattenboxen” besteht aus sanften Übungen mit fließenden, zirkulären Bewegungen des Körpers, die mit bestimmten Atemübungen verbunden sind. Das Ziel ist eine Meditation, bei der die Lebensenergie “Chi” durch den Körper fließen soll.
Aus medizinischer Sicht ist Tai Chi eine komplexe Intervention, die körperliche, psychosoziale, emotionale, spirituelle und verhaltenstherapeutische Elemente umfasst. Dabei trainiert Tai Chi den Gleichgewichtssinn.


Artikel vom 4. Juni 2013


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